Ich geh krachen, der m0dIn bloggt!!!! Ja, endlich ist es soweit! Und der m0dIn hat auch allen Grund dazu.
Der m0dIn erinnert sich noch gut an die Vorlesungen bei einem gewissen Prof. Horst Müller, von dem man halten mag was man will – beigebracht hat er den Studenten was! Zum Beispiel, dass man ruhig nachrecherchieren sollte. Nachfragen. Nachhaken. Nicht das aufnehmen, was alle anderen schon verbreiten. Diesen “Hurra-Journalismus”, wie er ihn immer so treffend bezeichnete, brechen und seinen Job als (zukünftiger) Journalist ernst nehmen.
Soviel zur Theorie. Die Praxis sieht ja meist ganz anders aus. So auch gestern…
Vergangene Woche wurde von unserem allseits beliebten Herrn Vorbrodt bekannt gegeben, dass der Ministerpräsident Stanislaw Tillich höchstpersönlich an die Hochschule kommen werde, um eine Pressekonferenz zu geben. “Super, hier können die Studenten ihre journalistischen Fähigkeiten unter Beweis stellen”, dachte der m0dIn. Auch medien-mittweida.de kündigte an, es sei eine Pressekonferenz mit “spannenden, kritischen und vor allem wichtigen Themen” zu erwarten. Nachzulesen hier: http://www.medien-mittweida.de/news-ueberblick/artikel/2165.html
Und nun sitzt der m0dIn auf der tollen Zentralredaktionskonferenz, geleitet von dem noch viel tolleren Herrn Vorbrodt und traut seinen Ohren nicht: Keine Zuschauerfragen, es gibt einen Fragenkatalog, Fragen sind vorher festgelegt, und: WIR FRAGEN DAS, WAS ALLE FRAGEN. Weil die Themen, die eh überall aufgegriffen werden, die Themen sind, DIE DIE LEUTE INTERESSIEREN! Wow!
Aber ein Hoffnungsschimmer: “Wollen Sie noch Fragen hinzufügen, die in den Fragenkatalog mit aufgenommen werden sollen?” Eine Studentin meldet sich: Die Regierung Tillich setze sich für faire Praktika ein, die säschsische Staatskanzlei jedoch schreibt unvergütete Praktika im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Webpräsenz aus. Wie das sein könne, ob dies nicht ein Widersprüch wäre. Der m0dIn horcht auf. Gute Frage denkt er sich. Herr Vorbrodt legt seine Stirn in Falten. “Okay können wir mit reinnehmen. Sonst noch Fragen? Nein? Dann wars das.” Hmpf. Verduzt und mit hängenden Schultern schlurft der m0dIn heim. Warum kann man seinen Studentenstatus nicht ausnutzen und auch kritische Fragen stellen? Das will nicht so ganz in den Kopf des m0dIns rein.
Nunja, Mittwoch der große Tag. Das TV-Studio der Hochschule ist voll bis auf den letzten Platz. Herr Vorbrodt eröffnet das Podium mit Witzen, über die die Studenten nicht einmal ansatzweise lachen mit ein paar Lachern, sodass die Veranstaltung gleich einen unglaublich lockeren Touch bekommt. Herr Tillich wirkt sympathisch. Ganz anders als sein Vorgänger Milbradt, der solche öffentlichen Auftritte hasste wie die Pest. Tillich ziert sich nicht, er gibt sich bodenständig, nahezu kumpelhaft, lächelt und lässt sich brav das Mikro anlegen. Das Podium voller Kritik, Brisanz und Spannung wird eröffnet…
Gleich die erste Frage: Herr Tillich, das neue Semester hat begonnen, was wünschen Sie den neuen Studenten?
ZACK
Gleich eine kritische und spannende Frage zu Beginn. Tillich zögert kurz, was wird er sagen? “Einen guten Start”, antwortet er und grinst. Ein paar nette Worte hinterher und gleich die nächste, spannende, brisante, kritische Frage: Mittweida ist zugegebenermaßen eine Kleinstadt. Wie schätzen Sie die Zukunft des Hochschulstandortes Mittweida ein? Den m0dIn hält es kaum auf dem Sitz, die Spannung ist förmlich unerträglich.
Was soll denn ein Ministerpräsident auf eine solche Frage antworten? “Mittweida ist n Dreckskaff und die Hochschule geht den Bach runter, besonders der Medienbereich? Mittweida wird auch in Zukunft ein lukrativer Standort bleiben.”
Journalismus par excellance.
Es geht aber noch weiter: Der Landkreis Mittelsachsen beherbergt ja zwei Hochschulen (TU Freiberg und HS MW, Anm. d. Autors), was Herr Tillich denn dazu meint. Toll findet er das natürlich und dass der Landkreis Mittelsachsen dadurch ein großes Privileg genießt.
Kuscheliger kann doch eine PK nicht sein. Was folgt sind der Themenkomplex “Schengenabkommen und Grenzsicherheit” und weitere hohle Fragen, deren Antwort auf der Hand liegt.
Zwischendurch versucht der Regierungssprecher Peter Zimmermann immer wieder verzweifelt, aus dem Publikum Fragen zu bekommen, “damit nicht der Eindruck entsteht, es seien nur die Fragen der privilegierten Journalisten hier vorne zugelassen.” Es war aber dank Herrn Vorbrodt so, sonst hätte es im Publikum ein Mikro gegeben, damit man den Publikumston auch hätte aufzeichnen können.
Nächster Themenblog. NPD. Wieder nur blablablubb. Böse Partei, ganz böse Partei, is klar ne. Joar, wussten wa ja auch schon. NPD in allen sächsischen Kreistagen. Schlecht, ganz schlecht ist das, was für ne Neuigkeit. Der m0dIn droht in den Tiefschlaf zu fallen, als plötzlich Tillich sagt: “Im sächsischen Parlament lehnen wir Anträge der NPD und der Linkspartei grundsätzlich ab.” Holla, die Waldfee!!! Wenn das mal nicht für Gesprächsstoff sorgt! Und schon eine Frage aus dem Publikum. ENDLICH EINE FRAGE AUS DEM PUBLIKUM!!!! Wie das sein könne, die Linkspartei sei eine Partei mit demokratischen Grundsätzen, die NPD nicht. Richtig, denkt sich der m0dIn. “Meiner Meinung nach ist das nicht so”, sagt Tillich und begründet kurz. Hmpf. Wenigstens ein Versuch seitens der Studenten…
Ansonsten bestand diese PK aus gähnender Langeweile, keine Spur von Brisanz, Spannung und Kritik. In einem Satz: Es war mal ganz nett, Tillich aus der Nähe zu sehen, aber diese Veranstaltung war überflüssig.
Der Regierungssprecher fragte am Ende, ob seitens des Publikums noch Klärungsbedarf bestünde. Er wurde von Scheinwerfern angestrahlt und konnte so nicht sehen, wie sich ca. 20 Mann meldeten. Herr Vorbrodt rief, es gäbe keine Publikumsfragen und somit ging die PK zu Ende.
Hoch lebe der investigative Journalismus, er lebe HOCH, HOCH, HOCH!!!!!
PS: Die Frage der Studentin, warum die sächsische Staatskanzlei wider ihres Einsatzes unvergütete Praktika ausschreibt, kam nicht mit dran.
PPS: So berichtet medien-mittweida.de über die Pressekonferenz: http://www.medien-mittweida.de/aktuelles/artikel/2179.html
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