Mega-Shopping in MW
Wer von “When the saints go marchin’ in” geweckt wird – dem kann man nicht verübeln, dass er den Mittweidaer Shoppingtagen zwiespältig gegenüber steht. Am frühen Samstag Morgen, wo rechtschaffende Leute noch schlafen, paradierte ein übermotivierte Blasmusikkapelle von der Weberstraße zum Markt – dummerweise machte man vor meinem Fenster halt, ab da war an Schlaf nicht mehr zu denken. Fauliges Obst hat man auch nicht immer griffbereit, sodass die “trumpets of jericho” ungestraft ihr Werk vollenden konnten und die schlaftrunkenen Anwohner Blut und Galle spuckten. Wer dachte, dass danach die Folter der Gehörgänge beendet sei, der wurde eines besseren belehrt – eine Moderatorin, die anscheinend vergessen hatte ihr Ritalin zu schlucken, animierte den Mittweidaer Konsumpöbel zum kollektiven Kaufrausch. Garniert wurde das Ganze mit Kaufhausdudelmucke und der Titel des Schlagers “Wahnsinn” von Wofgang Petry beschrieb die Situation gar zutreffend. Aufgewacht und frisch frisiert wagte ich den Selbstversuch und betrat, auf das Schlimmste gefasst, das vertraute Kopfsteinpflaster der Weberstraße, welches mit einem grünem Teppich geschmückt wurde, um auch in die sächsische Provinz einen Hauch von Glamour zu bringen. Voll Erstaunen bot sich einem das Bild einer belebten Stadt – Menschen auf den Straßen! Während der Mittweidaer sonst am Wochenende bestenfalls in die nahe Datsche fährt, oder mit spießbürgerlicher Pendanterie seinen Schrebergarten pflegt, hatte er sich dieses Wochenende den feinen Sonntagsstaat angezogen. Das dieser bestenfalls in Camouflage-Tanktop und Jogginghose besteht, verwundert nicht im Mindesten. Genüsslich ein Softeis naschend, marschierte ich munter gen Edeka Simmel um mich dort mit Bier einzudecken – das schien mir das beste Gegenmittel. Mit einem kühlen Mauritius Bockbier intus, konnte ich mich viel einfacher der Volksbelustigung hingeben und wohlwollende Blicke der Mittweidaer Einwohner ernten. Es war dann auch recht lustig, weil ich widererwartend einige Mitkommilitonen traf und beim Bogenschießen auf den tollwütigen Fuchs schießen konnte. Geshoppt habe ich dann auch, doch in viel geringerem Maße, als es die Veranstalter sich gewünscht hätten…aber die Bockwurst hat geschmeckt, das muss ich zugeben. Für den lüsternen (männlichen) Betrachter gabs auch was – knackige Damen des Karnevalvereins hoben willig die Beine in die Höh und zeigten was sie Tolles gelernt hatten. Doch will ich nicht meckern, das taten schon Andere. An jeder Haustür, war ein Zettel gepinnt, auf welchem die Veranstalter um Verständnis wegen des Lärms baten. Auf einem stand in krakeliger Handschrift treffend formuliert: Welches Verständnis? Ich hoffe Sie machen nicht so laut!”
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